Am Rande. Eine Presseschau

presseschauBrasilien und die WM bewegt viele, auch die Kollegen der Massenmedien. Hier eine Auswahl an interessanten Geschichten und Links, auf die wir bei unseren Recherchen gestoßen sind.

„Wo ist Caetano Veloso?“ fragt die brasilianische Sängerin Maria Gadú in der taz. Der Shooting Star der brasilianischen MPB (musica popular brasileira) beschreibt in bitteren Worten die Verweigerungsstimmung und die fehlende Vorfreude im Land. Die hohen Geldausgaben und die Einflussnahme der FIFA, ebenso wie die harsche Reaktion der Regierung auf die Proteste führe dazu, dass kaum einer in Vorfreude das Trikot der Selecção trage – auch seien die Straßen nicht wie üblich angemalt. Es sei denn mit ablehnenden Graffitos. „Die Leute sind unglaublich sauer.“ Und außerdem: zur Eröffnungszeremonie sei der Auftritt von J.Lo und Pitbull angekündigt – Musikimporte in ein Land, das mehr noch als für den Fußball für seine Musik steht? No Way! Wenn Caetano nicht kommt – hier erstmal der Link zu einem der Klassiker von Caetano Veloso und Gilberto Gil, und mit Aqui pra Voçes von Buraka Som Sistema feat. Deize Tigrona noch ein transatlantischer Redaktionstipp dazu.

„Revolution ist großartig. Abseits ist Quark“, findet die Junge Welt und lässt in ihrer neuen Werbekampagne Rosa Luxemburg vom Leder ziehen. Unter „Raus aus dem Abseits“ findet sich in der Sonderausgabe des Amnesty Magazins zu Fußball und Menschenrechten ein Beitrag über das Berliner Projekt „Champions ohne Grenzen“, in dem Menschen mit und ohne dauerhafte staatliche Aufenthaltsgenehmigung miteinander Fußball spielen und, Lesetipp: „Spielen lindert unseren Schmerz“ – ein Portrait über Chosen FEW, einer Frauenfußballmannschaft aus Johannesburg, die das Leder im Kampf gegen die Ausgrenzung von Lesben, Schwulen und Transsexuellen kickt.

Eine Viertelmillion Menschen werden im Rahmen der WM zwangsumgesiedelt. Kritiker sprechen auch von „sozialer Säuberung“. Bunt und schillernd will Brasilien sich der Welt präsentieren. Armut und Müll passen da nicht ins Bild. Der Künstler Gregory Kloehn dürfte das anders sehen. Aus Abfall baut er mobile Unterkünfte für Obdachlose. Jedes der Müllhäuser bedeutet ein Dach über dem Kopf – egal wie klein es auch sein mag. Noch mehr food for thought gibt es hier. Die Webseite Boredpanda.com kompilierte eine Bilderserie mit 40 Social Advertisements.  Nichts für schwache Nerven. Dafür in jedem Fall gehaltvoller als Fernsehwerbung.

Fernsehserien sind seit etwa 30 Jahren Brasiliens größter Exportschlager. Und das weltweit. Aber wer guckt heute eigentlich noch Fernsehen am TV-Gerät – außer während der WM versteht sich? Zum 60. Geburtstag des „Wortes zum Sonntag“ erinnert ZEIT ONLINE sich noch einmal wie es damals alles war – in der guten alten Zeit vor dem Fernseher.

Bei dem schönen Wetter sollte man natürlich nicht nur den ganzen Tag vor dem Fernseher hocken. Viel besser: ein Wochenende am Strand. Besonders gut geht das mit diesen 22 nerdige Bademoden für zeigefreudige Geeks zwischen Sankt Peter Ording und der Copa Cabana. Oben ohne ist überbewertet! Wer sagt Zauberer und Orks können keine Welle reiten, irrt! Ein Traum aus Elasthan für Fans von Harry Potter und Co.

Das Girl from Ipanema ist doch eh nur Legende: Nach Darstellung der US-amerikanischen Fotografin Alex Pager schauen die Leute bei einem perfekten Po, schneller weg. Tun wir auch, ist eh Sexismus. Wir schauen den Menschen lieber ins Gesicht. Besonders gern, wenn sie Gemüse drumherum tragen. Das führt dann zu der Frage, was den Kopfschmuck des durchschnittlichen Fußballfans von dem der Royals in Ascot unterscheidet. Wenig irgendwie. Dennoch – ein kreativer Umgang mit Nationalität und Gemüse, als Inspiration, auf diesen Bildern von Lara Sanchez: „Old finnish people wearing funny things on their heads„. Da sieht man auch keine Hintern.

Andere Bilder, ohne Hintern und Gemüse gibt es u.a. in der brasilianischen Graffitiszene, das erwähnen hier im Blog Bixiga 70, in deren Stadtviertel einmal im Jahr der Dia do Graffiti stattfindet (hier ein Youtube-Video dazu). Einer der bekanntesten Repräsentanten der Graffitiszene in Brasilien ist der 36-jährige Paul Ito. Er selbst definiert sich als „Straßenmaler, der eine poetische Guerilla“ führt. Sein Tummelplatz ist vorwiegend im Westen São Paulos. Sein Markenzeichen ist die Inszenierung des Alltags in seinen Motiven. Wer stöbern möchte: Seine Einflüsse sind unter anderem der griechische Graffiti-Künstler GOIN und der brasilianische Comiczeichner Lourenco Mutarelli. Wer vergleichen möchte: Fotograph Gabriel Mendes mit „Urban Puns“ in ähnlicher Mission unterwegs: Hier verschmelzen Passanten mit überdimensionierten Graffitis New Yorks, Los Angeles und São Paulos.

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Und – wer uns nicht glaubt, dass alles auch abseits der Nachrichtenwerte geht, der schaue in die New York Times, Reiseteil: Dort gibts Tipps zum „unpluggen“ mittels Yoga. In Rishikesh. Das waren die Beatles auch schon. Und die sind inzwischen irgendwie fast alle samt Yogi und Ravi tot. Aber, und das freut uns alle wahnsinnig (schauen Sie in die Autorinnenliste): Super, dass im Beitrag das einzige Buch gefeatured wird, das es mit Paulo Coelhos Gesamtwerk aufnehmen kann: Eat, Pray, Love. Denn dort wird das Rätsel aller Rätsel um die große, wahre und einzige Liebe endlich und mit der einzig richtigen Antwort gelöst: Mr Big ist Brasilianer!!! (googlen Sie Mal „good looking brazilians“…)

 

Zusammengestellt von: Marie Hoffmann, Danica Bensmail, Sonia Dimitrow und Redaktion

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