Um puto chato toma cacau …

Wie alle Länder dieser Welt hat natürlich auch Brasilien seine kulturellen Besonderheiten. Auf solche verweisen zum Beispiel russische Reiseratgeber im Internet, wie unsere russisch stämmige Autorin Lena Arent recherchiert hat. Von Toilettentüren bis zu Fernsehgewohnheiten kommt da einiges zusammen, was der Reisende beachten sollte. In guter  journalistischer Tradition wurden diese Tipps verifiziert.

 

1. Der beste und der leckerste Kaffee kommt aus Brasilien, Brasilianer trinken aber am liebsten Kakao.

Brasilien ist der größte Kaffeeproduzent weltweit und versorgt mit diesem Getränk ein Drittel der Weltbevölkerung (2.700.440 t im Jahre 2011). Größte Abnehmerländer sind Deutschland, gefolgt von USA, Belgien und Italien. Kakao produziert Brasilien 253.211 t jährlich, was deutlich weniger ist, und steht auf Platz 6 nach der Elfenbeinküste und anderen Ländern. Wollen denn Brasilianer ein bisschen mehr Kakao für sich haben?

2.  Im Land leben viele Transsexuelle, für die werden bald extra Toiletten aufgestellt. Auf dem Schild der weiblichen Toilette steht machmal der Buchstabe „T“.

Beim Blick ins Netz zeigt sich, dass wohl eher ein „U“ für Unisex angebracht wäre. Hier findet sich tatsächlich auch außerhalb Berlins einiges. Zum Thema Transsexuelle taucht Brasilien leider in einem ganz anderen Zusammenhang im Netz auf – das Land führt mit der höchsten Mordquote an Transsexuellen weltweit. Allein im letzten Jahr wurden 95 Personen ermordet, weltweit waren es 2013 laut transrespect-transphobia.org 238. Hier fehlt vielleicht mehr als nur ein „T“ oder „U“.

3. Ein sympathisches Mädchen kann auf der Straße hören: „Du hast aber einen schönen Po!“ Und das wirkt nicht unhöflich.

Kann sein. Allerdings sollte man in Brasilien besser nie „rapariga“ zu einem Mädchen sagen. Das bedeutet „Hure“. Ganz im Unterschied zu Portugal, wo das Wort einfach nur „Mädchen“ bedeutet.

4. In Brasilien kommt niemand rechtzeitig, das ist anscheinend nicht üblich. Wenn man Gäste dort um 5 Uhr abends erwartet, können die auch erst gegen 7 oder 8 Uhr kommen.

Schauen wir einmal in die Sprichwortkiste: “Um chato nunca perde o seu tempo, perde sempre o dos outros.” Ein Langeweiler vergeudet niemals seine Zeit, er vergeudet die Zeit anderer. Also, ja, später kommen muss höflich sein. Je später, desto höflicher.

5. Seifenoper und Fußball werden im brasilianischen Fernsehen nie gleichzeitig gezeigt, weil sie für Brasilianer gleich wichtig sind. Beide sind aus dem brasilianischen Alltag nicht wegzudenken.

Das ist sehr einfach zu belegen: Die aktuell populärste Telenovela in Brasilien ist „Avenida Brasil“, produziert vom Medienriesen „Globo“. Sie versammelt jeden Abend 46 Mio (!) Zuschauer. Das ist ungefähr ein Viertel der Gesamtbevölkerung von 192 Mio Menschen. Wenn also jeder vierte Brasilianer abends seinen Fernseher anschaltet, um die „Avenida Brasil“ zu sehen, und wir dann noch Omnibusfahrer, Krankenschwestern, Nachtportiere und die UPP mit einrechnen – bliebe für König Fußball kaum noch Publikum.

6. Brasilien ist digital rückständig…

Nein, das steht nicht auf russischen Seiten und stimmt auch nicht. Aber uns hat es trotzdem interessiert, welcher Brasilianer die meisten Twitter-Follower hat. Ergebnis mit knapp 20 mio (19.249.273): der Fußballnationalspieler Kaká (Ricardo Izecson dos Santos Leite).

Die höchste Anzahl an Facebook-Fans (14.078.114) hat der brasilianische TV-Moderator Luciano Huck. Paulo Coelho steht unter seinem internationalen Künstlernamen auf Rang 5.

Auf Platz 1 des YouTube Rankings steht der brasilianische Latin Pop-Sänger Michel Teló mit 875.622 935 Aufrufen. Glückwunsch, ihr Gewinner!

7. Der volle Name eines Brasilianers besteht aus drei Teilen: seinem eigenen Vornamen, dem Namen seiner Mutter und dem Namen seines Vaters. Wenn die brasilianische Frau heiratet, wechselt sie ihren Namen nicht, sondern fügt ihrem Namen den Namen des Mannes hinzu.

Im Falle der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff: sie ist die Tochter des aus Bulgarien stammenden Pedro Rousseff und seiner zweiter Ehefrau Dilma Jane Silva. Da fehlt wohl was im Namen.

Im Falle von Pelé allerdings stimmt die Angabe. Sein voller Name lautet sehr klangvoll „Edson Arantes do Nascimento“. Nach seinem Vater Joaõ Ramos do Nascimento und seiner Mutter Maria Celeste Arantes.

Der Romancier Paulo Coelho hingegen hat angeblich nur diesen einen Vor- und Nachnamen. Alles andere wäre für den internationalen Büchermarkt und die Druckertinte auf seinen zahlreichen Buchtiteln auch eine Zumutung. Allerdings konnten wir seine PR-Abteilung zu keinen Statement bewegen.

Ronaldos voller Name ist Ronaldo Luís Nazário de Lima. Wichtig: nicht zu verwechseln mit anderen Ronaldos und Ronaldinhos!

Dafür findet sich auf Liste der seltsamsten Namen Brasiliens ein Name der weder aus den Namen der Mutter, noch des Vaters besteht, sondern wirklich seltsam ist – wir präsentieren: „Aeronauta Barata“. Das bedeutet so viel wie „billige Astronautin“.

 

Quellen:

de.wikipedia.org, ru.wikipedia.org, http://www.socialbakers.com, twitter.com, socialranks.de, http://www.welt.de, de.statita.com, http://www.zitate.eu, http://www.sprichworte-der-welt.de, de.wikiqute.org, http://www.rankbrasil.com.br, http://www.theranking.com, http://www.forbes.com, http://www.facebook.com, http://www.youtube.com, veja.abril.com.br, gshow.globo.com, article.wn.com, www.urbandictionary.com, my-brazil.ru, brazil-trip.ru, www.coelho.ru, pt.wikipedia.org.

 

 

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