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impedimento {m} [Sport] [bras. port.] – Abseitsregel {f} [Sport]

Das Abseits ist ein interessantes Phänomen. Im Sport verhindert die Abseitsregel Torchancen aus der pole position, ganz allein vor dem Torwart. Auch wird sie dort gerne mal taktisch vorbereitet (Abseitsfalle) und meist lautstark diskutiert – oder frenetisch gefeiert, wie 1954: „Und Kocsis flankt – Puskas abseits – Schuß – aber nein, kein Tor! Kein Tor! Kein Tor! Puskas abseits!!!“ – die Abseitsposition des ungarischen Spielers ebnete den Weg zum Wunder von Bern: die westdeutsche Fussballnationalmannschaft wurde Weltmeister.

Im sozialen Abseits geht es stiller zu. Nicht mitmachen zu können, ausgeschlossen zu sein spielt sich gewöhnlich im Verborgenen ab. Nicht so im Gastgeberland dieser Fussball-WM. Lautstarke Prosteste und Diskussionen um soziale Mißstände begleiten die diesjährige WM – ausgelöst von einer Preiserhöhung im öffentlichen Nahverkehr, explodierte im Juni 2013 die Wut über die Sozialpolitik der Regierung und brachte in mehr als 100 Städten Hunderttausende auf die Straßen des Landes.

Wie in dem millionenfach angeklickten Clip der Brasilianerin Carla Dauden “No, I’m not going to world cup!” gibt es quer durch die Gesellschaft Kritik an der FIFA und der brasilianischen Regierung. Die teuerste WM aller Zeiten wird zu 80 Prozent von der öffentlichen Hand Brasiliens finanziert, dies bei einer anhaltenden Misere im brasilianischen Bildungs-, Gesundheits- und Transportwesen. “Soll ich mein Kind im Stadion bekommen?” – nur eine der Fragen, die auf den Demonstrationen gestellt wurde.

Die Proteste sind seitdem kaum leiser geworden. Für den Beginn der WM ist eine neue Protestwelle angekündigt – kaum ein besserer Zeitpunkt als in diesen Wochen, in der die Welt nach Brasilien schaut. Aus dem Abseits in die mediale pole position. Gegen die Regeln der FIFA und der Regierung. Zur Eröffnungsfeier setzten die Besucher im Stadion nicht nur den Gesang der Nationalhymne Brasiliens weit über die Musik fort, sie waren auch lauter als die Ansprachen von Dilma Rousseff und Sepp Blatter.

Für den Blog „Impedimento [Abseits]“ übernehmen Nachwuchsjournalisten des Berliner BWK die Idee der regelwidrigen Abseitsposition und untersuchen die Möglichkeit einer Themenberichterstattung aus dieser Position – definitiv unvollständig, weder am Puls der Zeit noch an den  Nachrichtenwerten orientiert. Was findet sich in der Abseitsposition an Themen, Geschichten und Einsichten?

Ergänzend zu musikalischen Einblicken und Public Viewing rund um die Copa da Cultura 2.0 versammeln dieser Blog Randphänomene und Nebenstimmen aus dem Abseits des WM-Berichterstattung in Wort und Bild. Von Blinddates über das Tanzen im Abseits zu einem Zuhause im globalen Alltag, so die Leitthemen. Ein bisschen “queer”, ein bisschen neben dem, was normalerweise die Medienöffentlichkeit erreicht. Im Takt zum Klang der Nebenstimmen und dem Schattenwurf der Randphänomene.

Auch im Abseits wird getanzt – egal wer Weltmeister wird.

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Berichte aus der Abseitsposition. Ein Blog zur Copa da Cultura 2.0 am Haus der Kulturen der Welt.

Mit: Lena Arent, Danica Bensmail, Sonia Dimitrow, Eman Elbary, Heidi Gonzales, Marie-Christine Hoffmann, Aura Cumita, Ismail Oktay und Leyla Dere (Gastautorin).

Ein didaktisches Format zu Praxis und Problemen der Kultur- und Auslandsberichterstattung im Rahmen des Programms „Bikultureller Crossmedialer Journalismus und Public Relations“ des Bildungswerks in Kreuzberg (BWK), in Zusammenarbeit mit dem HKW. Redaktionelle Leitung und Konzept: büro eta boeklund /Angela Dreßler und Stefanie Kiwi Menrath. Fotoredaktion: Mirja Zentgraf (www.mirja-zentgraf.de).